03. Juni 2010: Während Deutschland gewinnt, habe ich verloren. Bei der morgendlichen Wahl wurde ich wegen der noch verfügbar aufgerüsteten Maschinen im Hängerschapp gelassen. Das Risiko, dass wegen des WM-Fußballspiels nach der Landung keiner beim Abrüsten hilft, ist vielleicht auch zu groß!?
Am nächsten Tag komme ich noch einmal zum Einsatz als Training für den in einer halbe Woche anfangenden Altmarkpokal in Stendal. 340km sollen es werden, um nach der vielen Jojo-Bundesliga-Rumschrubberei, auch mal wieder das vernünftige Umrunden eines Wendepunktes zu üben. Die Optik ist gut, allerdings wie bereits am Vortag ist es schwer (am Vortag ist mein Pilot sogar nochmal abgesoffen), vom Flugplatz fort zu kommen, da es a) nur Steigen unter 1m/s gibt und es b) damit auch nicht richtig hoch gehen will. Aber kaum an der Luftraumgrenze vom Charly Hannover angekommen, wirft mich der Hambührener Hausbart mit 3,5m/s nach oben, damit ist Allertal spielend erreicht, kurz nach der Wende wieder knappe 2,5m/s. Das darf dann gerne so weiter gehen! Tut's aber nicht, bei Bergen ist endgültig Schluss mit guten Schnittgeschwindigkeiten, denn trotz guter Wetteroptik gleite ich immer weiter runter bis mich nur noch 350m vom Boden trennen. Ich bekomme den Eindruck, dass mein Pilot versucht meinen Knüppel zu zerquetschen - Außenlandung/Kopfsache, da war es wieder, dieses ungute Gefühl von Unsicherheit, das die letzten Jahre nicht so ausgeprägt vorhanden war. Das Unglück kann aber abgewendet werden, zwar nur mit 30cm/s für knappe 5 Minuten, aber damit gelingt der Sprung zu den 1,4m/s - der Würgegriff löst sich, Entspannung im Cockpit. Die Wetteroptik wechselt jetzt im Viertelstundentakt. Erst sieht es nach Überentwicklung und Schauern aus und dann scheint es rasend schnell abzutrocknen. Ein verrückter Tag!
Bleckede wird mit einigen Mühen umrundet weil erst einmal schlappe 1,1m/s aus dem Keller helfen müssen, danach wieder über 2m/s. Die Qualität der Aufwinde ist heute wie Glücksspiel: Nach 3 Nieten kommt ein Hauptgewinn. Jetzt soll es noch nach Gardelegen gehen. Aber es werden nur noch Nieten gezogen und von Westen kommt zu allem Übel eine Abschirmung rein. Da wo die Sonne scheint sind noch schöne Wolken, die mit ihren Aufwinden locken, unter der Abschirmung sieht es übel aus: Der Weg nach Hause ist abgeschnitten.
Der 1te Versuch unter dem grauen Einerlei zeigt es deutlich: 4 Minuten für 50m Höhengewinn lassen so, kein nach Hause kommen zu. Also wieder zurück in die Sonne und man ist dankbar für einen kräftigen Meter Steigen. Während sich mein Pilot so langsam die verspielte Höhe wiederholt, machen sich kleine Sonnenlücken unterm Grauen auf. 2ter Versuch um evtl. schon einmal nach Repke zu kommen, die haben einen Schleppmose für einen mögliche Rückschlepp. Noch fehlen aber ein paar Meter. Es folgt ein Geduldsspiel 3 Minuten in 0,9m/s, 2 Minuten in 0,7m/s, usw., usw., am Ende kommt sogar noch eine kleine Wolkenwurst die 1m/s Steigen bringt. Na, das muss doch noch besser gehen, also unter der Wurst lang, aber es kommt kein vernünftiges Steigen. Das Glücksspiel ist wieder voll im Gang und es sind nur noch 400 Meter über Grund, zum Glück in der Platzrunde von Repke. 17:20 ist es inzwischen und die Suchkreise signalisieren lediglich Bewegung in der Luft, die aber nicht zum Steigen reicht. Dann nach einigen Verlagerungsversuchen entwickeln sie sich zu 0,4m/s. Bis 17:30 sagenhafte 250m dazu gewonnen. Der Himmel wird noch einmal abgescannt, und alle Hoffnung in einen etwas dunkler ausgeprägten Teil der Wolke gelegt. Der Ortswechsel war erfolgreich, endlich wieder knappe 2m/s, die mich auf die maximale Höhe des Tages heben.
Die 1500m reichen nicht nach Hause bei dem Gegenwind, aber die nächste Etappe nach Oppershausen sollte klappen. Jetzt müssen nur noch die zarten Flusen über Lachendorf ein paar hundert Meter bringen: Das Steigen ist schwach aber angenehm rund und konstant. Knappe 9 Minuten werden für letzte 250m benötigt. McCready 0,5, auf Sollfahrt geschaltet, Lüftung zu, Luft angehalten und ganz vorsichtig geht es los ohne Reserven. Die Luft trägt erstaunlich gut teilweise mit Steigen. Der Rechner zeigt konstant das es gerade so passen muss. Die direkte Landung erfolgt mit leicht gezogenen Klappen, bis ich über den Bäumen im Anflug drüber hinweg bin.
18:15 Landung, der Flugbetrieb ist Mangels Thermik schon lange eingestellt und die Flugzeuge sind schon in den Hallen verstaut.
Erst nach Auslesen der Loggers und Hochladen des Fluges glauben die Skeptiker, dass der Flug aus eigener Kraft geschafft wurde.
Aufgabe nicht geschafft, aber schön war's und mein Pilot ist zufrieden nach dem zähen Kampf 